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Nierenerkrankungen bei Katzen

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Akute und chronische Niereninsuffizienz.
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Die Nieren sind echte Hochleistungsorgane. Sie sind sehr stark durchblutet: relativ betrachtet wird ein Viertel der Gesamtmenge des Blutes, das bei jedem Herzschlag das Herz verlässt, direkt zur Niere geleitet.

Nierenerkrankungen können weitreichende Folgen haben, die mitunter schnell lebensgefährlich werden können.

Nierenerkrankungen werden in akute (unmittelbar auftretende) und chronische (über längere Zeiträume verlaufende) Formen eingeteilt. Wenn die Erkrankung die Nieren in ihrer Funktionalität beeinträchtigt, so dass sie ihre Aufgaben nicht mehr ausreichend (suffizient) erfüllen können, spricht man von einer „Insuffizienz“.

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Kurzhaarkatze liegt auf dem Bett

Akute Niereninsuffizienz (ANI)

Die akute Niereninsuffizienz bezeichnet einen plötzlichen teilweisen oder totalen Ausfall der Nierenfunktion. Sie kommt im Vergleich zur chronischen Niereninsuffizienz wesentlich seltener vor, ist aber lebensgefährlich. Die Symptome treten unmittelbar und in starker Form auf, sodass der Tierarzt umgehend handeln muss, um die verbliebene Nierenfunktion zu stützen.

Die akute Niereninsuffizienz stellt einen Notfall dar. Tierhalter sollten sich beim Tierarztbesuch trotzdem ausreichend Zeit dafür nehmen, möglichst alle wichtigen Details der medizinischen Vorgeschichte zusammenzutragen (zum Beispiel „hat Rosinen gefressen“), da diese wichtige Hinweise auf mögliche Ursachen geben können.

Je schneller die Erkrankung erkannt und eine entsprechende Therapie eingeleitet wird, desto besser ist die Prognose. Sobald die akute Phase überstanden ist, kann es Wochen und Monate dauern, bis sich die Blutwerte wieder völlig in den Referenzbereich hinein normalisieren. In dieser Zeit wird die Katze wie bei einer chronischen Niereninsuffizienz behandelt. Wenn alles gut geht, kann die Katze wieder ganz gesund werden.

Chronische Niereninsuffizienz (CNI)

Von einer chronischen Niereninsuffizienz spricht man, wenn über mehr als zwei Wochen eine eingeschränkte Nierenfunktion besteht, die mit einem Anstieg von Harnstoff und Kreatinin im Blut einhergeht.

Die chronische Niereninsuffizienz gilt als die häufigste Todesursache bei Katzen.

Etwa 10 % aller Katzen über 7 Jahre und sogar ca. 30 % aller Katzen ab 10 Jahren Alter weisen eine eingeschränkte Nierenfunktion auf. Bei jungen Tieren wird die chronische Niereninsuffizienz deutlich seltener diagnostiziert. Wenn Jungtiere an einer chronischen Niereninsuffizienz leiden, sind meist angeborene, fortschreitende Nierenerkrankungen die Ursache.

Leider wird die chronische Niereninsuffizienz meist nicht frühzeitig erkannt: Erst wenn bereits 65 bis 70 % der Nierenkörperchen und Nierenkanälchen zerstört sind, die zur Funktionseinheit der Niere gehören (Nephrone), kommt es zum Auftreten von Symptomen. Bis etwa zu diesem Verhältnis werden die Aufgaben der zugrunde gegangenen Nephrone von den noch funktionsfähigen Nephronen übernommen. Auch wenn die Niere einen Funktionsverlust zunächst so gut kompensieren kann: Die Überbelastung der noch funktionsfähigen Nephrone führt leider zu einer fortschreitenden Schwächung und ein Teufelskreis wird in Gang gesetzt. Oft bleibt eine beginnende Insuffizienz monate- oder jahreslang unerkannt. Je weiter der Beginn der Erkrankung zurückliegt, desto schwieriger ist es auch, den Grund bzw. die möglichen Ursachen der Erkrankung zu bestimmen.

Grundsätzlich gilt, dass jede Schädigung des Nierengewebes irreversibel ist und somit nicht wieder rückgängig gemacht werden kann. Gerade deshalb ist eine frühe Diagnose so wichtig, und diese ist nur durch regelmäßige (Blut-)Kontrollen beim Tierarzt möglich.

Ursachen einer chronische Niereninsuffizienz

  • altersbedingte Nierenerkrankungen (zum Beispiel Amyloidose)
  • Erblichkeit/Rassedispositionen (wie bei Maine Coon, Siamesen, Persern)
  • bakterielle und virale Infektionen (zum Beispiel Leptospirose, FIP)
  • Tumore
  • falsche Ernährung (zu einseitig, stark Harn ansäuernd)
  • Bluthochdruck
  • immunologische Defekte (zum Beispiel nierenschädigende Giftstoffe)
  • renale Ischämie (nach Dehydratation, Sepsis, Schock, Trauma)
  • vielfach bleibt die Ursache auch unbekannt.

Symptome einer chronische Niereninsuffizienz

  • reduzierter Appetit
  • Erbrechen
  • Gewichtsverlust
  • geringeres Aktivitätsniveau/erhöhter Schlafbedarf
  • struppiges Fell und stumpfes Haarkleid
  • blasse Schleimhäute

Behandlung einer chronischen Niereninsuffizienz

Wir empfehlen, ab einem Alter von etwa sechs Jahren regelmäßig tierärztliche Untersuchungen durchführen zu lassen, die eine Kontrolle der Nierenwerte einschließen. Dadurch ist es möglich, Nierenerkrankungen noch vor dem Auftreten klinischer Symptome zu entdecken, und der Tierarzt kann entsprechende Maßnahmen ergreifen.

Wie die chronische Niereninsuffizienz behandelt wird, richtet sich in erster Linie nach dem Zustand und den Bedürfnissen der erkrankten Katze. Ihr Tierarzt wird Sie beraten, welche Therapie am besten für Ihre Katze geeignet ist, falls Sie an einer chronischen Niereninsuffizienz leidet.

Wichtig: Je früher die Behandlung einer chronischen Niereninsuffizienz begonnen wird, desto besser der Verlauf.

Prognose einer chronischen Niereninsuffizienz

Katzen mit einer chronischen Niereninsuffizienz sind Dauerpatienten, die eine intensive Betreuung benötigen. Regelmäßige Kontrollen der Blutwerte, eine Anpassung der Ernährung und auch eine entsprechende medikamentöse Einstellung sind wichtig für den Behandlungserfolg und ermöglichen es der betroffenen Katze, noch monate- oder sogar jahrelang weitestgehend beschwerdefrei zu leben.

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